FINNISCHE FORSCHER UNTERSUCHEN DAS LEGASTHENIERISIKO VON SÄUGLINGEN

MistiEltern, Lehrer/innen, Therapeuten

Forscher der Jyväskyla Universität in Finnland fanden heraus, dass Menschen mit einer Legasthenie andere Hirnareale aktivieren als nicht betroffene Menschen. Dafür begleiteten sie 200 Kinder vom Säuglingsalter bis zur Pubertät. Bei 100 von ihnen bestand eine familiäre Veranlagung zur Legasthenie – das Legasthenierisiko war also erhöht. Sie bildeten die Risikogruppe. 100 weitere Kinder ohne familiäre Disposition bildeten die Kontrollgruppe.

Sprachverarbeitung und Legasthenierisiko im EEG sichtbar
In der Anfangsphase der Studie bekamen die Säuglinge im Alter von 3-5 Tagen kurze Lautsequenzen aus Konsonanten und Vokalen vorgespielt. Währenddessen wurde die Hirnaktivität im EEG (Elektroenzephalogramm) gemessen und sogenannte EKP’s (Ereigniskorrelierte Potenziale), die beispielsweise durch Sinneswahrnehmungen oder auch durch Sprachverarbeitungsprozesse ausgelöst werden, verglichen. Die Kinder aus der Risikogruppe aktivierten vermehrt die rechte Hirnhälfte, wohingegen bei der Kontrollgruppe die linke Hemisphäre aktiver war.

12 Jahre Sprachforschung
Auch im späteren Verlauf unterschied sich die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten deutlich. Im Alter von 6 Monaten konnte festgestellt werden, dass die Kinder der Risikogruppe Schwierigkeiten beim Unterscheiden von langen und kurzen Lauten hatten. Diese Probleme blieben bis in die ersten drei Schuljahre bestehen.

Ein weiteres Indiz, das auf eine Legasthenie hinweisen kann, ist die Schwierigkeit beim Erkennen von Buchstaben. Wenn ein Kind vor seiner Einschulung mehr als 10 Buchstaben kennt, wird es später keine schwerwiegenden Probleme beim Lesen bekommen. Kinder der Risikogruppe zeigen zu Beginn der Schullaufbahn hingegen erhöhte Schwierigkeiten beim Verknüpfen von Lauten (Phonemen) und Buchstaben (Graphemen).

Diese Erkenntnisse können bei der Prävention und Frühförderung von Problemen beim Schriftspracherwerb helfen. Kinder, bei denen bereits im Kindergartenalter solche Auffälligkeiten festgestellt werden, sollten schon vor der Einschulung mit einem gezielten Training beginnen. Eine Förderlösung, die aus der aktuellen Lernforschung hervorgegangen ist, ist Meister Cody – Namagi.

Hier üben die Kinder in einer bunten Fantasiewelt beispielsweise die Unterscheidung von kurzen und langen Lauten oder die Zuordnung von Lauten und Buchstaben. Der Reisende, Gelehrte und Zauberer Meister Cody und die Königskinder Namea und Fandales begleiten die Kinder auf ihrem Weg durch das Abenteuer. Entwickelt wurde das Training von Prof. Dr. Schulte-Körne, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats für Legasthenie und Dyskalkulie.