DIDAKTIK: WAS IST DAS UND WIESO IST SIE SO WICHTIG?

Markus SchützeDies & das, Lehrer/innen, Meister Cody - Talasia, Therapeuten

Wir alle haben schon einmal den Begriff „Didaktik“ gehört – und uns wahrscheinlich gar keine Gedanken darüber gemacht, was genau sich dahinter verbirgt. Wir haben Mathematikdidaktiker Dr. Ralf Benölken gebeten, uns ein wenig von seiner Arbeit zu erzählen.

Stellen Sie sich doch einmal kurz vor!

Mein Name ist Ralf Benölken. Ich lehre und forsche in der Didaktik der Mathematik an der Bergischen Universität Wuppertal. Meine Hauptarbeitsgebiete sind mathematische Begabungen und Inklusive Bildung im Mathematikunterricht.

Was genau ist denn die Aufgabe eines Didaktikers?

Kurz umrissen beschäftigt sich die Didaktik eines Fachs damit, wie das Fach gelehrt und gelernt wird. Die Didaktiken haben sich über die Jahrzehnte hinweg als eigenständige Disziplinen etabliert, wobei es diverse Bezüge zu anderen Wissenschaften wie der Erziehungswissenschaft oder der Psychologie gibt. Hauptbezugsdisziplin bleibt aber natürlich immer das jeweilige Fach, also in meinem Falle Mathematik.

Und wie sieht das konkret für den Bereich der Mathematik aus?

Einerseits geht es in der Mathematikdidaktik um stoffdidaktische Zugänge, also die Fragen danach z.B., welche Inhalte im Mathematikunterricht wann und wie gelehrt werden, andererseits aber auch um empirische Forschung zu vielen speziellen Themen wie Gender und Mathematik, Rechenprobleme oder der Bedeutung von Sprache im Kontext des Lernens von Mathematik – wichtig ist natürlich immer der Blick auf die unterrichtliche Praxis, wenn man Forschungsresultate hat, etwa hinsichtlich Ihrer Bedeutung für die individuelle Diagnostik und Förderung eines jeden Kindes.

Wie finden neue Erkenntnisse ihren Weg ins Klassenzimmer und wie lange dauert es, bis sie dort ankommen?

Meist zu lang! Aber natürlich ist zunächst eine gründliche Erforschung der für Mathematikunterricht bedeutenden Phänomene sehr wichtig und dies gilt gleichermaßen für stoffdidaktische wie auch für empirisch orientierte Zugänge. Die Wege in die Schulpraxis sind vielschichtig: Interessierte Lehrkräfte, die Erkenntnisse aus Fort- und Weiterbildungen oder auch aus Praxiszeitschriftartikeln verbreiten, natürlich die Fort- und Weiterbildungen selbst, die es durchaus auch noch umfassender geben dürfte nach meinem Empfinden, dann die Weiterentwicklung von Studiencurricula, in die aktuelle Erkenntnisse oft unmittelbar angebunden an die Lehrstühle der Kolleginnen und Kollegen, aber natürlich auch übergreifend eingehen usw.

Gibt es Beispiel für gute und schlechte Didaktik?

So pauschal kann man das nicht beantworten. Grundsätzlich fordert man in der Mathematikdidaktik wie auch in anderen Fächern aber beispielsweise ein aktiv-konstruktives Lernen, keine Vermittlung von „Kochrezepten“.

Welchen Einfluss hat die Didaktik auf die Qualität eines Lehrmittels?

Ich würde die Frage eher so stellen: Welche didaktischen Erkenntnisse kann man für die Konstruktion eines Lehrmittels nutzen? Und Lehrmittel meint dann eher nicht ein Werkzeug des Belehrens, sondern einen prototypischen Repräsentanten für eine Rechenoperation o.Ä., den Lernende im Kopf haben, mit dem z.B. eine entsprechende Rechenaufgabe in Handlung und Bild aufgeladen ist. Man spricht hier von sogenannten „Grundvorstellungen“, von „mentalen Modellen“, die ein wirklich verständiges Lernen ermöglichen sollen. Daraus ergibt sich zugleich, dass ein „Lehrmittel“ ein ziemlich komplexes Gebilde ist, welches Kinder erst einmal verstehen müssen, ehe sie damit umgehen können, dass ein „Lehrmittel“ individuellen Lernvoraussetzungen ebenso genügen muss wie der mathematischen Struktur des Inhalts, den man gerade betrachtet usw.

Worauf genau haben Sie sich bei der Überarbeitung der Übungen in Meister Cody – Talasia konzentriert?

Bei der vorigen Frage habe ich ja schon Einiges zu Lehrmitteln im Sinne von Anschauungsmitteln gesagt. Meister Cody – Talasia enthält sehr viele Anschauungen, die im Mathematikunterricht etabliert sind. Wir haben bei der Überarbeitung vor allem darauf geachtet, dass die Möglichkeiten zum Aufbau „mentaler Modelle“ zu Zahlen und Rechenoperationen weiter verbessert und innerhalb der Abenteuer bzw. der Aufgaben des Programms weiter vernetzt werden.